Die Restaurierung

Vor 100 Jahren ließ Kaiser Wilhelm II. die Hohkönigsburg im Elsass wieder aufbauen.
Die über 800 Jahre alte Festung lag wie viele andere am Oberrhein in Ruinen, seit sie im 30jährigen Krieg zerstört worden war. Mit ihrem Wiederaufbau wollte der Deutsche Kaiser ein Museum errichten,  in dem das Zeitalter des Rittertums und die Hohenzollern als legitime Herrscherdynastie des Kaiserreiches verherrlicht werden sollten.
Die Restaurierung dauerte von 1900 bis 1908. Gewaltige Mittel wurden dafür eingesetzt. So wurde eine Dampflokomotive angeschafft, die auf einem 60 cm breiten Gleis zwischen dem Ostteil und dem Westteil der Baustelle verkehrte. Sie diente dazu, die Steinblöcke aus dem nahegelegenen Steinbruch zu befördern. 30 Pferde waren nötig, um die Dampflok, von den Arbeitern liebevoll « Hilda » genannt, vom Bahnhof in Sélestat hinauf auf die über 700 Meter hoch gelegene Schienenstrecke zu ziehen.
Je nach Jahreszeit arbeiteten zwischen 40 und 220 Arbeiter auf der Baustelle. Um den Transportaufwand für das notwendige Wasser zu verringern, wurde eine Pumpstation eingerichtet, die noch heute in Betrieb ist. Eine Sandsteinmühle produzierte den für den Bau notwendigen Sand. 1901 traf der erste Kran ein, der zum Wiederaufbau des Bergfrieds bestimmt war; im Jahr darauf folgte ein zweiter Kran. Der Strom dafür wurde von einem eigens für die Burg eingerichteten Stromaggregat erzeugt. Dadurch konnte die Baustelle schon sehr früh beleuchtet werden, während die Bewohner der Weindörfer am Fuß der Hohkönigsburg bis nach dem Ersten Weltkrieg auf elektrisches Licht warten mussten.
Die Jahrhundertbaustelle war so außergewöhnlich, dass schon  während der Restaurierungsarbeiten, ab 1904, Besichtigungen durchgeführt wurden. Nach nur acht Jahren Bauzeit wurde die neu errichtete Hohkönigsburg am 13. Mai 1908 eingeweiht.
Für die Leitung der Restaurierung setzte der deutsche Kaiser den Spezialisten für mittelalterliche Bauten Bodo Ebhardt ein. Dieser  bemühte sich sehr, die Burg authentisch und nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten aufzubauen. Gleichzeitig behielt er aber auch das Ziel seines Auftraggebers vor Augen, mit dem Wiederaufbau der Burg ein Zeichen für die Legitimität der kaiserlichen Herrschaft zu setzen. Deshalb war die Arbeit von Bodo Ebhardt lange Zeit umstritten. Heute zollen Archäologen dem Baumeister Respekt. Denn nicht nur das 9 Meter dicke Bollwerk, der Bergfried, die Mauern mit ihren Schießscharten, die Wohn- und Schlafräume, der Kaisersaal, die Waffenkammer und die Küche sind wiederaufgebaut worden. Auch unzählige Elemente  aus
dem täglichen Leben wurden rekonstruiert und können heute besichtigt werden, zum Beispiel Latrinen,  Spülbecken, Kamine, Öfen, Kacheln, Brunnen, und Zisternen.

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